Freitag, 12. April 2013

Die Upanishaden 06

YAJNAVALKYA ÜBER DAS SELBST UND DIE
PERSÖNLICHE UNSTERBLICHKEIT
YAJNAVALKYA ÜBER DAS SELBST UND DIE
PERSÖNLICHE UNSTERBLICHKEIT
http://www.demetrius-degen.de/religionen/religion.htm 
BÄU 2.4.1-16
1 „Maitreyi!‘ sprach Yäjnavalkya, „ich stehe im Begriff, diese Stätte zu verlassen.  Auf, ich will dir die Abgrenzung mit Kätyäyani festsetzen.“
2 Da sprach Maitreyi: Wenn mir, Ehrwürdiger, diese gesamte, mit Besitz gefällte Erde gehörte - würde ich dadurch etwa unsterblich sein?“ „Nein“, sprach Yäjnavalkya.  „Wie das Leben Bemittelter, ganz so würde dein Leben sein.  Eine Hoffnung auf Unsterblichkeit aber ist durch Besitz nicht gegeben.‘
3 Da sprach Maitreyl: „Wodurch ich nicht unsterblich sein kann, was sollte ich damit tun?  Was der Ehrwürdige weiß, das verkünde mir!‘
4 a Da sprach Yäjnavalkya: „Ach Frau!  Du bist uns lieb, und du redest, was uns lieb ist.  Komm, setz dich!  Ich werde dir eine Erklärung geben.  Was ich aber erkläre, trachte durch Nachdenken zu erfassen!‘ Der Ehrwürdige spreche!‘
Das Selbst allein ist wichtig und daher allein des Wissens wert


4b Da sprach Yäjnavalkya: „Wahrlich, Frau, der Ehemann ist [der Ehefrau] nicht um des Ehemannes willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer selbst) willen ist der Ehemann [der Ehefrau] lieb.  Wahrlich, Frau, die Ehefrau ist [dem Ehemann] nicht um der Ehefrau willen lieb, sondern um seines Selbstes (= seiner selbst) willen ist die Ehefrau [dem Ehemann] lieb.  Wahrlich, Frau, die Söhne sind [den Eltern] nicht um der Söhne willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer, der Eltern, selbst) willen sind die Söhne [den Eltern] lieb.  Wahrlich, Frau, der Besitz ist [dem Besitzer] nicht um des Besitzes willen lieb, sondern um seines Selbstes (= seiner, des Besitzers, selbst) willen ist der Besitz [dem Besitzer] lieb.  Wahrlich, Frau, der Brahmanenstand (= der Priesterstand) ist [dem Fürstenstand] nicht um des Brahmanenstandes willen lieb, sondern um seines Selbstes (= seiner, des Fürstenstandes, selbst) -willen ist der Brahmanenstand [dem Fürstenstand] lieb.  Wahrlich, Frau, der Fürstenstand ist [dem Brahmanenstand] nicht um des Fürstenstandes willen lieb, sondern um seines Selbstes ( seiner, des Brahmanenstandes, selbst) willen ist der Fürstenstand [dem Brahmanenstand] lieb.  Wahrlich, Frau, die [irdischen und himmlischen] Welten sind [den irdischen Wesen und den Himmlischen] nicht um der Welten willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer, der irdischen Wesen und der Himmlischen, selbst) willen sind die Welten [den irdischen Wesen und den Himmlischen] lieb.  Wahrlich, Frau, die Himmlischen sind [den irdischen Wesen). nicht um der Himmlischen willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer, der irdischen Wesen, selbst) willen sind die Himmlischen [den irdischen Wesen] lieb.  Wahrlich, Frau, die irdischen Wesen sind [den Himmlischen] nicht um der irdischen Wesen willen lieb, sondern um ihres Selbstes (= ihrer, der Himmlischen, selbst) willen sind die irdischen Wesen [den Himmlischen] lieb.  Wahrlich, Frau, alles [denkbare Liebe] ist [allen denkbaren Liebhabern] nicht um seinetwillen lieb, sondern um ihres Selbstes (ihrer, aller, selbst) willen ist alles [allen] lieb.
„Wahrlich, Frau, das Selbst muß man sehen, hören, denken, durch Nachdenken zu erfassen trachten.‘
 
Aus dem Wissen vom Selbst ergibt sich alles andere Wissen, und ohne es ist kein anderes Wissen möglich
5 b „Maitreyi!  Wahrlich, Frau, durch das Sehen, Hören, Denken, Erkennen des Selbst besitzt man das Wissen von allem.
6 „Der Brahmanenstand entzieht sich dem Anspruch dessen (wörtlich: hat sich von dem losgesagt‘ = hat sich dem entzogen‘), der den Brahmanenstand anderswo als im Selbst sieht.  Der Fürstenstand entzieht sich dem Anspruch dessen, der den Fürstenstand anderswo als im Selbst sieht. Die Welten entziehen sich dem Anspruch dessen, der die Welten anderswo als im Selbst sieht.  Die Himmlischen entziehen sich dem Anspruch dessen, der die Himmlischen anderswo als im Selbst sieht.  Die irdischen Wesen entziehen sich dem Anspruch dessen, der die irdischen Wesen anderswo als im Selbst sieht.  Alles entzieht sich dem Anspruch dessen, der es anderswo als im Selbst sieht.  Das Selbst - das ist dieser Brahmanenstand, dieser Fürstenstand, diese Welten, diese Himmlischen, diese irdischen Wesen, dieses Alles.
7 „Wie man, wenn eine Trommel geschlagen wird, die Töne, die aus ihr herausgekommen sind, nicht festhalten (also zum Verstummen bringen) kann, aber durch das Festhalten der Trommel oder des Trommelschlägers der Ton festgehalten (also zum Verstummen gebracht) ist [so kann man nichts anderswo als im Selbst erkennen (2.4.6) und wird durch die Erkenntnis des Selbst alles andere erkannt (2.4.5 b)] -
8 „Wie man, wenn eine Laute gespielt wird, die Töne, die aus ihr herausgekommen sind, nicht festhalten kann, aber durch das Festhalten der Laute oder des Lautenspielers der Ton festgehalten ist [so kann man nichts anderswo als im.  Selbst erkennen und wird durch die Erkenntnis des Selbst alles andere erkannt] -
9 ‚Wie man, wenn ein Muschelhorn geblasen wird, die Töne, die aus ihm herausgekommen sind, nicht festhalten kann, aber durch das Festhalten des Muschelhorns oder des Muschelhornbläsers der Ton festgehalten ist [so kann man nichts anderswo als im Selbst erkennen und wird durch die Erkenntnis des Selbst alles andere erkannt].
Alles Wissen geht aus dem Selbst hervor, ist seine Ausatmung‘


10 a „Wie aus einem Feuer mit feuchtem Brennholz, im Augenblick da es angezündet ist, nach allen Seiten Rauchschwaden heraustreten, wahrlich, Frau, so ist der Rigveda, der Yajurveda, der Sämaveda, der Atharvaveda, die heiligen Mythen und Geschichten, die Wissenschaften, die mystischen Geheimlehren (upanisad), die Merksprüche, die LebtWerke, die Erläuterungen, die Auslegungen - ist alt das die Ausatmung dieses großen Wesens (= des Selbst).
Alles Wissen kehrt in das Selbst zurück, ist seine Einatmung‘
10 b Alle diese [Wissenschaften] sind die Einatmungen‘ ebendieses Selbst.
1 1, „ [Alle diese Wissenschaften sind die Einatmungen ebendieses Selbst] wie das Meer die Sammelstätte aller Wasser ist; ebenso die Haut die Sammelstätte aller Tastwahrnehmungen; ebenso die Zunge die Sammelstätte aller Geschmackswahrnehmungen; ebenso das Auge die Sammelstätte aller Gesichtswahrnehmungen; ebenso das Ohr die Sammelstätte aller Töne; ebenso der Verstand die Sammelstätte aller Vorstellungen; ebenso das Herz die Sammelstätte aller Empfindungen; ebenso die Hände die Sammelstätte allen Tuns;
ebenso die Füße die Sammelstätte allen Wanderns; ebenso der Schoß die Sammelstätte aller Wollüste; ebenso der After die Sammelstätte aller Entleer-ungen; ebenso die Sprache die Sammelstätte allen Wissens.‘
Das Selbst nach dem Tod ist ohne Bewußtsein


12 Wie ein Salzstück, wenn ins Wasser geworfen, sich ganz im Wasser versteckt (auflöst) - nicht dürfte man imstande sein, es sozusagen herauszunehmen; aber von wo immer man Wasser nähme, würde es salzig sein -, wahrlich, Frau, so verhält es sich mit diesem großen Wesen, dem endlosen, uferlosen (= dem Selbst): nachdem es als ein reiner Erkenntnisklumpen den Wesen erstanden ist (als individuelles Selbst, Seele), löst es sich auf, wenn diese sich auflösen. ,Nicht gibt es ein Bewußtsein nach dem Tode‘, so, Frau, lehre ich.“
So sprach Yäjnavalkya.
13 Da sprach Maitreyi: „Gerade hinsichtlich dieser Lehre: ,Nicht gibt es ein Bewußtsein nach dem Tode‘, hat mich der Ehrwürdige in Verwirrung gebracht.‘
ohne Bewußtsein sein?
14 Da sprach Yäjnavalkya: „Wahrlich, Frau, nicht verkünde ich Verwirrung.
„Wahrlich, Frau, ausreichend ist [erst] dieser [Körper], um erkennen zu können.“
15 „Denn wo sozusagen eine Doppelheit (also Körper und-Erkenntnisklumpen‘, dem andere Körper-und-Erkenntnisklumpen‘ gegenüberstehen) vorhanden ist, da sieht das eine [Selbst] das andere [Selbst], riecht das eine das andere, redet das eine das andere an, hört das eine das andere, denkt das eine das andere, erkennt das eine das andere.
16 a „Wenn aber seine (des Menschen) Gesamtheit (,Körper-und-Erkenntnisklumpen-Selbst‘) zum alleinigen Selbst geworden ist - womit (mit welchem Organ) und wen (welches ihm gegenüberstehende Selbst) sollte er (der ins große Selbst aufgelöste Mensch) sehen, womit und wen sollte er riechen, womit und wen sollte er anreden, womit und wen sollte er hören, womit und wen sollte er denken, womit und wen sollte er erkennen?‘
16 b „Womit (mit welchem, außer ihm liegenden Organ) sollte man das, mit dem man alles Vorhandene erkennt, (das Selbst) erkennen?  Womit sollte man, Frau, den, der der ist, der erkennt, (das Selbst) erkennen?“
Vgl. auch BÄU 3.5.1, S. 65.
 
DIE !GÄ-UPANISAD
1. Gespräch. über das rechte Handeln

(Sprecher A:)
1 „Wohnung des Herrn ist alles, was sich nur hier auf der Erde bewegt.  Deshalb sollst du dich von freiwillig überlassenem nähren!  Giere nicht nach irgend jemandes Besitz!‘
 (Sprecher B:)
2 „Trachte hundert Jahre (d. h. dein volles Leben) auf dieser Erde zu leben, indem du Handlungen lediglich ausführst.  So - nicht anders als so - färbt dein Handeln nicht auf dich ab <auf deine Person/Seele>.“
 (Sprecher A:)
3 „,Dämonisch‘ heißen die Welten, mit blinder Finsternis bedeckt - in die gehen nach dem Tode ein alle die, die ein Selbst ( eine Seele, ein lebendes Wesen) töten.‘
2. Gespräch. über die Erkennbarkeit des Einen‘

(Sprecher B:)
4 „Indem es sich nicht bewegt, ist das Eine schneller als der Gedanke: nicht fingen es die Himmlischen, als es ihnen vorauslief.  Indem es stillsteht, holt es andere, die laufen, ein.  Der Wind füllt es mit Wasser.
5 „Es bewegt sich, es bewegt sich nicht; es ist fern, und es ist doch nah; es ist innerhalb von allem, und es ist doch außerhalb von allem.‘
 (Sprecher A.)
6 Wer aber alle Lebewesen in seinem Selbst sieht und sein Selbst in allen Lebewesen, vor dem sucht sich das Eine nicht zu verbergen.‘
3. Gespräch). Über den Wert der Erkenntnis
(Sprecher A:)
7 „In wes Wissenden Selbst sein Selbst zu allen Wesen geworden ist - welche Verwirrung, welchen Kummer kann er hinsichtlich seines Selbstes (seiner Seele) haben, nachdem er das Eins-sein erkannt hat?“
8 „Es ist gekommen zu dem Samen, der ohne Körper ist, ohne Verletzbarkeit, ohne Sehnen (= ohne Körperkraft), der rein ist, nicht von Schlechtigkeit durchbohrt.
„Als der weise uranfängliclie Dichter, der allumfassende, als der Durch-sich-selbst-Entstandene hat es die Gegenstände der Sinnenwelt <der Wirklichkeit entsprechend> für die stetig aufeinanderfolgenden Jahre (die Zeitlichkeit) geschaffen.“
(Sprecher B:)
9 In blinde Finsternis gehen ein, die das Nichtwissen verehren.  In noch größere Finsternis, die am Wissen sich genügen lassen.
10 „Man verkündet es (das Eine‘) als verschieden vom Wissen, man verkündet es als verschieden vom Nichtwissen.  So haben wir gehört von Weisen, die es (das Eine‘) uns erklärt haben.“
 (Sprecher A:)
11 Wissen und Nichtwissen - wer beide als zusammengehörig kennt, der erreicht, nachdem er durch Nichtwissen zum Tode übergesetzt ist, durch Wissen Unsterblichkeit.“
4. Gespräch. über das Wiederentstehen nach dem Tode
(Sprecher B:)
12 „In blinde Finsternis gehen ein, die das Nichtentstehen verehren.  In noch größere Finsternis, die am Entstehen sich genügen lassen.
13 Man verkündet es (das Eine‘) als verschieden vom Entstehen, man verkündet es als verschieden vom Nichtentstehen.  So haben wir gehört von Weisen, die es (das ,Eine‘) uns erklärt haben.‘
(Sprecher A:)
14 Entstehen und Vergehen - wer beide als zusammengehörig kennt, der erreicht, nachdem er durch Vergehen zum Tod übergesetzt ist, durch Entstehen Unsterblichkeit.‘

Die Upanishaden 05

ANTWORTEN DES YÄJNAVALKYA
DAS GLEICHNIS VOM BAUM
Die Kraft von Wahrheit und Erkenntnis

ANTWORTEN DES YÄJNAVALKYA
BÄU 3.1.1-4; 3.2.1,13-14; 3.4.1; 3.5.1; 3.8.1-12 BÄU 3.1.1-4
1 janaka, der Fürst der Videha, brachte ein Opfer mit vielen Priestergeschenken dar.  Zu diesem Opfer waren die Brahmanen aus dem Lande der Kuru und der Pancäla von allen Seiten herbeigekommen.  Da bekam janaka, der Fürst der Videha, Lust zu wissen, wer wohl von diesen Brahmanen der gelehrteste sei.
2 Da pferchte er tausend Kühe ein.  An die Hörner jeder einzelnen waren je zehn Viertelgewichte [Goldes] gebunden.  Da sagte er zu ihnen: Brahmanen!  Ehrwürdige!  Wer von euch der beste brahman ist (d. h. es am besten versteht, Wahrheiten zu erkennen und zu formulieren), der treibe sich diese Kühe heraus.“ Da wagten die Brahmanen sich nicht daran.
3 Darauf sagte Yäjnavalkya zu seinem Schüler: „Sämasravas, mein Lieber, treibe diese Kühe heraus!“ Da ließ dieser sie heraus.  Da wurden die Brahmanen zornig: „Wie darf er (Yäjnavalkya) sich denn für den besten brahman von uns
erklären?‘
4 Darauf trat Asvala, der Hauspriester des janaka, des Fürsten der Videha, auf.
Da fragte er den Yäjnavalkya: „Bist denn wirklich du, Yäjnavalkya, der beste brahman von uns?“
Da sagte er: „Wir - wir erweisen dem besten brahman Verehrung!  Wir - wir sind nur begierig nach Kühen.‘
Da begann alsbald Asvala, der Hauspriester, ihn hartnäckig zu befragen.
 
1. Das Geheimnis des Handelns

BAU 3.2.1,13-14
1 Darauf befragte ihn jaratkärava Artabhäga ...
13 „Yäjnavalkya!“ sagte er, wenn nach dem Tod des Menschen seine Sprache in das Feuer eingeht, sein Atem in den Wind, sein Auge in die Sonne, sein Denken in den Mond, sein Gehör in die Himmelsrichtungen, sein Körper in die Erde, sein Selbst (d. h. seine Seele‘) in den leeren Raum, seine Körperhaare in die Pflanzen, seine Haupthaare in die Bäume - wenn sein Blut und sein Same ins Wasser gelegt werden - wo kommt dann der Mensch zur Entstehung?‘
14 „Nimm meine Hand, Ärtabhäga, mein Lieber!‘ so sagte er.  Wir beide allein werden das in Erfahrung bringen.  Nicht finde unser Gespräch in der Öffentlichkeit statt!‘ Da gingen sie hinaus und berieten sich.
Wovon sie sprachen, das war vom Handeln; was sie hervorhoben („priesen‘), das war das Handeln: „Als ein Reiner kommt er (der Mensch‘) durch reines Handeln [nach dem Tode wieder] zur Entstehung, als ein Schlechter durch
schlechtes.‘
Daraufhin verstummte Artabhäga.
2. Das wahre Selbst und der irdische Weg dessen, der es erkannt hat
BÄU 3.4.1

Darauf befragte ihn Kahoda Kausjtakeya.
„Yäjnavalkya!“ sagte er, „ das in allen vorhandene Selbst
ist dasjenige brahman, das der Wahrnehmung zugänglich,
der Wahrnehmung nicht unzugänglich ist.  Dieses Selbst erkläre mir!“
,Dies dein Selbst ist das in allen vorhandene Selbst.‘ „Welches [von meinen Selbsten] ist das in allen vorhandene Selbst, Yäjnavalkya?“
„Das, welches jenseits ist von Hunger und Durst, von Kummer, Ratlosigkeit, Alter und Tod.
„Nachdem sie das [wirkliche] Selbst als dieses Selbst erkannt haben, lassen die Brahmanen ab vom Streben nach Söhnen, vom Streben nach Besitz, vom Streben nach einer Welt und führen ein Leben als Bettler.
„Denn das Streben nach Söhnen, das ist ein Streben nach Besitz; das Streben nach Besitz, das ist ein Streben nach einer Welt.  Denn beide (Söhne und Reichtum)
sind nichts als Streben.“
„Nachdem er der Gelehrsamkeit überdrüssig geworden ist, trachte der Gelehrte bei der Torheit nicht‘ stehenzubleiben.
„Nachdem er der Torheit sowohl als der Gelehrsamkeit überdrüssig geworden ist, wird er ein [schwelender] Einsiedler.
„Nachdem er der Nicht-Einsiedlerschaft wie der Einsiedlerschaft überdrüssig geworden ist, wird er ein [wirklicher] brahmana (d. h. Erkenner und Formulierer von Wahrheiten).
„Wodurch kann er ein brahmana sein?  Dadurch, wodurch er es sein kann: es wird ein solcher brahmana, wer dies so weiß!‘
Daraufhin verstummte Kahoda Kausitakeya.
 
 
3. Die Definition des Selbst

BÄU 3.5.1
Darauf befragte ihn Usasta Cäkräyava:
„Yäjnavalkya!‘ sagte er, „das in allen vorhandene Selbst ist dasjenige brahman, das der Wahrnehmung zugänglich, der Wahrnehmung nicht unzugänglich ist.  Dieses Selbst erkläre mir!“
„Dies dein Selbst ist das in allen vorhandene Selbst.“
„Welches [von meinen Selbsten] ist das in allen vorhandene Selbst, Yäjnavalkya?‘
„Welches durch das Ausatmen ausatmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst.  Welches durch das Einatmen einatmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst.  Welches durch das Durchatmen durchatmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst.  Welches durch das Hochatmen hochatmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst.  Welches durch das Hinunteratmen hin- und heratmet, das ist dein in allen vorhandenes Selbst.‘
Da sagte Usasta Cäkräyaija:
„Wahrlich, wie wenn man sagt Das ist ein Rind‘, Das ist ein Pferd‘ [indem man auf ein Pferd oder Rind zeigt, statt eine verlangte Erklärung zu geben], ebenso ist dies eine Hinzeigung [aber keine Erklärung].  Das in allen vorhandene Selbst ist dasjenige brahman, das der Wahrnehmung zugänglich, der Wahrnehmung nicht unzugänglich ist.  Dieses Selbst erkläre mir!“
„Dies dein Selbst ist das in allen vorhandene Selbst.‘ „Welches [von meinen Selbsten ist das in allen vorhandene Selbst, Yäjnavalkya?
„Nicht kannst du den, der das Sehen ausführt, sehen; nicht den, der das Hören ausführt, hören; nicht den, der das Denken ausführt, denken; nicht den, der das Erkennen ausführt, erkennen.
„Dies dein Selbst (also der selbst unsichtbare usw.  Ausführer des Sehens usw.) ist das in allen vorhandene Selbst. ,Was außer ihm ist, ist [vom übell) getroffen (d. h. leidvoll).“
Daraufhin verstummte Usasta Cäkräyaea.
4. Das brahman als der anfangslose Urgrund und das Unvergängliche und seine Definition

BÄU 3.8.1-6,8,10-12
1 Darauf sagte Väcaknavi Gärgil:
„Brahmanen!  Ehrwürdige!  Auf, ich werde jetzt diesen Yäjnavalkya zwei Fragen fragen.  Wenn er mir diese beantwortet, dann wird von euch gewiß niemand ihn im Redekampf besiegen.  Wenn er mir diese nicht beantwortet, wird sein Kopf zerspringen.‘
,Frage, Gärgi!‘
2 Da sagte sie:
„Ich, wahrlich, Yäjnavatkya - wie wenn ein Krieger aus Benares oder aus dem Land der Videha, der seinen entspannten Bogen gespannt hat und zwei rivalendurchbohrende Pfeile in seine Hand genommen hat, seinem Gegner gegenüberträte, ebenso bin ich dir gegenübergetreten mit zwei Fragen.  Diese beantworte mir!‘
Frage, Gärgi!«
3 Da sagte sie:
„Was oberhalb des Himmels ist, Yäjnavalkya, was unterhalb der Erde, was zwischen jenem Himmel und dieser Erde, wovon man als vergangen, gegenwärtig und zukünftig spricht - in was ist das eingewoben?‘
4 Da sagte er: 
,Was oberhalb des Himmels ist, Gärgl, was unterhalb der
Erde, was zwischen jenem Himmel und dieser Erde, wovon man als vergangen, gegenwärtig und zukünftig spricht - in den Raum ist das eingewoben.“
5 Da sagte sie:
„Verehrung dir, Yäjnavalkya, der du mir diese Frage beantwortet hast.  Mach dich stark für die andere Frage!“
Frage, Gärgi!“
6 Da sagte sie:
„... In was ist nun der Raum eingewoben?‘ ...
8 Da sagte er:
„Dieses [in das der Raum eingewoben ist], Gärgi, nennen die Kenner des brahman (d. h. die, die die Wahrheit zu erkennen und zu formulieren vermögen) das Unvergängliche.  Es ist nicht grob, nicht fein; nicht kurz, nicht lang; blutlos, fettlos; schattenlos (also lichtlos), finsternislos; windlos, raumlos; ohne Haftung [an irgend etwas]: ohne Tastsinn, ohne Geruchssinn, ohne Geschmackssinn, ohne Gesichtssinn, ohne Gehörsinn; ohne Sprachfähigkeit, ohne Denkfähigkeit; ohne Wärme, ohne Atem, ohne Mund; ohne Name, ohne Geschlecht; nicht alternd, nicht sterbend; bedrohungslos, unsterblich; ohne [schalleitenden] Raum, ohne Laut; nicht geöffnet, nicht geschlossen; nicht folgend, nicht vorangehend; nicht außen, nicht innen:
„Nichts langt hin zu ihm, niemand langt hin zu ihm . .
10 Wahrlich, Gärgi, wer, ohne dieses Unvergängliche zu kennen, Opfer darbringt, spendet, sich kasteit - wäre es auch viele tausend Jahre lang diese seine jenseitige Welt (die er sich durch seine Frömmigkeit erwirbt) wird eine endliche.  Wahrlich, Gärgi, wer ohne dieses Unvergängliche zu kennen, aus dieser Welt abscheidet, der ist ein Elender!
„Aber wer, Gärgi, nachdem er dies Unvergängliche erkannt hat, aus dieser Welt scheidet, der ist ein Kenner des brahman (d. h. ihm ist die Erlösung sicher).
11 „Wahrlich, Gärgi, dieses Unvergängliche ist das unsichtbare Sehende, das unhörbare Hörende, das undenkbare Denkende, das unerkennbare Erkennende; nicht gibt es ein anderes Sehendes, nicht gibt es ein anderes Hörendes, nicht gibt es ein anderes Denkendes, nicht gibt es ein anderes Erkennendes.
„Wahrlich, Gärgi, dieses Unvergängliche ist das, in das der Raum verwoben ist.“
12 Da sagte sie:
„Bralimanen!  Ehrwürdige!  Haltet schon das für viel, wenn ihr euch von diesem (Yäjnavalkya) dadurch, daß ihr ihm ‚Verehrung bezeugt, lösen könnt.  Wahrlich, von euch wird gewiß niemand ihn im Redekampf besiegen.“
Daraufhin verstummte Väcaknavi.
 
DAS GLEICHNIS VOM BAUM
BÄU 3.9,30-34
 
 (Sprecher A:)
30 „Wie ein Baum, ein Herr des Waldes, wahrlich ebenso ist der Mensch.  Seine Haare sind die Blätter, seine Haut ist die äußere Borke.
31 „Das Blut, das aus seiner Haut hervorfließt, ist der Saft seiner inneren Rinde.  Deshalb fließt das Blut aus ihm hervor, wenn er verwundet, wie der Saft aus einem Baum, wenn er angeschlagen ist.
32 „Sein Fleisch sind die Holzteile, seine festen Sehnen der Bast, seine Knochen das innere Kernholz; sein Mark‘ schafft ein Gleichnis des Baum-Marks.
33 „Wenn ein Baum gefällt ist, wächst aus der Wurzel wieder ein neuer.  Ein Mensch, wenn vom Tod gefällt - aus welcher Wurzel wächst er wohl hervor?“
(Sprecher B:)
34 Sagt nicht: Aus seinem Samen!‘ Nur eines Lebenden Same kommt zur Entstehung.  Sobald er einmal geboren ist, wird der Mensch nicht wieder geboren.  Wer sollte ihn wieder
zeugen?
„Aus einem [Samen-]Korn (nicht aus [flüssigem] Samen‘ wie der Mensch) wächst der Baum.  Er kann also (im Gegensatz zum Menschen) aus einem anderen Baum nach dessen
Tode entstehen.
,Wenn man einen Baum mit der Wurzel ausrissen würde er nicht wiederkommen: ein Mensch, wenn vom Tod gefällt aus welcher Wurzel wächst er wohl hervor?“
 
Die Kraft von Wahrheit und Erkenntnis
SB 9.5.1.16-17 16
Die Himmlischen sprachen die ganze Wahrheit, die Dämonen die ganze Unwahrheit.
Die Himmlischen, die beständig nur die Wahrheit sprachen, wurden scheinbar geringer und ärmer. Darum wird einer, der ständig die Wahrheit spricht, auch heutzutage scheinbar geringer und ärmer. Aber schließlich kommt er zu gedeihen. Denn schließlich kamen die Götter zu gedeihen.
17 Die Dämonen dagegen, die beständig die Unwahrheit sprachen, glänzten wie Salzboden äußerlich, scheinbar wurden sie reich. Darum glänzt auch heutzutage einer, der ständig die Unwahrheit spricht, wie Salzboden äußerlich, scheinbar wird er reich. Aber schließlich gerät er ins Unglück. Denn schließlich gerieten die Dämonen ins Unglück.
MNU 63.2 Durch die Wahrheit weht der Wind; durch die Wahrheit leuchtet die Sonne am Himmel; die Wahrheit ist die Grundlage der Sprache; auf der Wahrheit ist das All gegründet.
Quelle: Reclam 8723 (aus dem Sanskrit übertragen von Paul Thieme)
 

Die Upanishaden 04

WIEDERGEBURT UND ERLÖSUNG - SEELENWANDERUNG UND ERLÖSUNG
WIEDERGEBURT UND ERLÖSUNG
ChU 5.4.1-5.10.8 Die Rückkehr des Menschen zum Feuer bei der Bestattung

5.4.1 Da verkündete er ihm: „Wahrlich, Gautama, ein Feuer ist jene Welt.  Ihr Brennholz ist die Sonne; ihr Rauch ihre (der Sonne) Strahlen; ihre Flamme der Tag; ihre Kohlen der Mond; ihre Funken die Gestirne.
2 In dieses Feuer gießen die Himmlischen die Gläubigkeit (die Frömmigkeit) als Opfergabe.  Aus dieser Gußspende entsteht der König Soma (der als göttliche Person vorgestellte heilige Preßtrank).
5.5.1 „Wahrlich, Gautama, ein Feuer ist der Gewitterregen.  Sein Brennholz ist der Wind; sein Rauch das Gewölk; seine Flamme der [Flächen-]Blitz; seine Kohlen der [fallende] Blitz; seine Funken der Hagel.
2 „In dieses Feuer gießen die Himmlischen den König Soma (den heiligen Preßtrank) als, Opfergabe.  Aus dieser Gußspende entsteht der Monsunregen.
5.6.1 „Wahrlich, Gautama, ein Feuer ist die Erde (die irdische Welt).  Ihr Brennholz ist das Jahr; ihr Rauch der Raum [zwischen Himmel und Erde]; ihre Flamme die Nacht; ihre Kohlen die Himmelsrichtungen; ihre Funken die Zwischenhimmelsrichtungen.
2 „In dieses Feuer gießen die Himmlischen den Monsunregen als Opfergabe.  Aus dieser Gußspende entsteht die Nahrung.
5.7.1 Wahrlich, Gautama, ein Feuer ist der Mann.  Sein Brennholz ist die Sprache, sein Rauch der Atem, seine Flamme die Zunge, seine Kohlen das Auge, seine Funken das Gehör.
2 In dieses Feuer gießen die Himmlischen die Nahrung als Opfergabe.  Aus dieser Gußspende entsteht der Same.
5.8.1 Wahrlich, Gautama, ein Feuer ist die Frau.  Ihr Brennholz ist der Schoß; ihr Rauch, was sie einladend spricht; ihre Flamme die Vulva; ihre Kohlen, was er (der Mann beim Beischlaf) hineintut; ihre Funken die Lustgefühle.
2 „In dieses Feuer gießen die Himmlischen den Samen als Opfergabe.  Aus dieser Gußspende entsteht der Embryo.
5.9.1 „... Nachdem dieser Embryo, von der Eihaut umhüllt, zehn Monate innen gelegen hat - oder wie lange immer -, wird er geboren.
2 Nachdem er geboren ist, lebt er, so lange seine Lebenszeit dauert.  Dann, wenn er gestorben, von hier (aus dieser Welt) fortgewiesen ist, bringt man ihn (bei der Leichenbestattung) zum Feuer, aus dem er gekommen ist, aus dem er (der Mensch) zu entstehen pflegt.‘
Die Verwandlung des bestatteten Toten

ChU 5.10.1-6
1 Die nun so wissen und die hier (im diesseitigen Leben) in der Wildnis lebend, im Gedanken: Askese ist Frömmigkeit‘, sie (die Askese) verehren, die verwandeln sich (wenn sie nach dem Tod zum Feuer gebracht werden) zur Flamme (des Einäscherungsfeuers), von der Flamme zum Tag, vom Tag zur Monatshälfte des zunehmenden Mondes, von der Monatshälfte des zunehmenden Mondes zu den sechs Monaten, während derer die Sonne nach Norden geht,
2 von den Monaten zum Jahr, vom Jahr zur Sonne, von der Sonne zum Mond, vom Mond zum Blitz.  Da erscheint ein nicht-menschlicher Mann, dieser bringt ihn (den Blitz, zu dem der Tote geworden ist) zum brahman.  Das ist, was der ,Pfad der Himmlischen‘ genannt wird.
3 Aber die, die hier in der Niederlassung lebend, im Gedanken: Opfer und Mildtätigkeit sind Frömmigkeit‘, sie (Opfer und Mildtätigkeit) verehren, die verwandeln sich (wenn sie nach dem Tod zum Feuer gebracht werden) zum Rauch (des Einäscherungsfeuers), vom Rauch zur Nacht, von der Nacht zur zweiten (dunklen) Monatshälfte, von der zweiten Monatshälfte zu den sechs Monaten, während derer die Sonne nach Süden geht.  Nicht erreichen diese das Jahr. 
4 Von den Monaten erreichen sie die Welt der Manen (die Schattenwelt der Verstorbenen), von der Welt der Manen den Raum (zwischen Himmel und Erde), vom Raum den Mond.
Dieser (der Mond) ist der König Soma.  Dieser (der König Soma) ist die Nahrung der Himmlischen, und so verzehren ihn (den Mond) die Himmlischen.
5 Dann, nachdem sie, solange ein Rest vorhanden (d. h.
bis zum Neumond), in ihm‘(dem Mond) gewohnt haben,
kehren sie darauf denselben Weg, wie sie gekommen sind, zurück zum Raum; vom Raum zum Wind.  Nachdem sie zum Wind geworden sind, wird er (der Wind) zum Rauch.  Nachdem er zum Rauch geworden ist, wird er (der Rauch) zum Gewölk.
6 a Nachdem er zum Gewölk geworden ist, beginnt es (das Gewölk) zu regnen.
Dann ‚ werden sie hier (in der irdischen Welt) unter dem Namen Reis und Gerste‘, Pflanzen und Bäume‘, Sesam und Bohnen‘ geboren.  Aus diesem [Kreislauf] ist ja sehr schwer herauszugelangen‘.
6 b Dann, wenn immer einer sie (die genannten Pflanzen) als Nahrung ißt und dann Samen (zu dem die Nahrung geworden ist: ChU 5.7.2“S. 55) vergießt, dann entsteht er (der zu den Pflanzen gewordene Sterbliche) wieder [als lebendes Wesen] (ChU 5.8.2,9.1, S. 55).
 
Die Art der Wiedergeburt als moralische Vergeltung

ChU 5.10.7-8
7 Die nun hier (in der irdischen Welt) von erfreulichem Wandel sind - es besteht die Zuversicht, daß sie [nachdem
sie Same geworden sind] in einen erfreulichen Mutterschoß
geraten: den Schoß (d. h. die Frau) eines Brahmanen (brähmana), oder den Schoß (d. h. die Frau) eines Fürsten
(ksatriya), oder den Schoß eines Hausherrn (vaisya, d. i. Bauern oder Kaufmanns).
Aber die hier von übelstinkendem Wandel sind - es besteht die Zuversicht, daß sie in einen übelstinkenden Mutterschoß geraten: den Schoß (d. h. das Weibchen) eines Hundes, oder den Schoß (d. h. das Weibchen) eines Ebers, oder den Schoß (d. h. das Weib) eines Unberührbaren (eines,Candäla‘).
8 ... Davor sollte man sich zu schützen suchen ...
 
Wiedergeburt auf Erden, Aufenthalt in der himmlischen Welt und endgültige Erlösung

KausU 1.2,4
1.2 Da sprach er: Alle, die je aus dieser Welt abscheiden, gehen zum Mond.  Durch ihre Hauche (d. h. Seelen‘) schwillt er (wie eine Schwangere) in der ersten Monatshälfte an.  In der zweiten läßt er sie (wie am Ende der Schwangerschaft) geboren werden.  Der Mond - das ist das Tor der himmlischen Welt.  Wer ihm antwortet, den läßt er an sich vorbei.  Aber wer ihm nicht antwortet, den regnet er, indem er sich in Regen verwandelt, auf die Erde herab.  Darauf wird er hier als Wurm oder Schmetterling oder Vogel oder Tiger oder Löwe oder Fisch oder Nashorn oder Mensch oder ein anderes Lebewesen in den entsprechenden Stätten [des Lebens] ( Körpern) wiedergeboren, je nach seinem Handeln je nach seinem Wissen.
„Wenn er angekommen ist, fragt ihn der Mond: Wer bist du?‘ Darauf soll er antworten.- . . . Ich bin Wer, du bist Wer: ich bin du.‘ Darauf läßt er ihn an sich vorbei.‘
1.4 „Darauf kommt er zu dem See Ära.  Darauf überschreitet er ihn mit Hilfe seines Denkens (oder: durch seine Seele‘ = als Seele‘?).
„Darauf freuen sich‘, nachdem sie auf ihn getroffen sind, die ihn Erkennenden (d. h. seine verstorbenen Vorfahren und Verwandten, die jenseits des Sees Ära in der himmlischen Welt wohnen).
„Darauf kommt er zu den Zerstörern des Opferverdienstes, den Augenblicken.  Darauf laufen sie vor ihm davon.‘
 „Darauf kommt er zu dem Fluß Alterlos‘.  Darauf überschreitet er ihn ebenfalls mit Hilfe seines Denkens (oder: ,als Seele‘?).
„Damit schüttelt er seine guten Werke und seine bösen Werke ab.
„Darauf erben seine ihm lieben Verwandten seine guten Werke, seine ihm unlieben seine bösen.
„Wie wenn einer, der mit dem Streitwagen fährt, auf die beiden Wagenräder herabblickte, so blickt er auf Tag und Nacht herab.‘
 „Darauf kommen ihm fünfhundert himmlische Tänzerinnen entgegen.  Hundert haben Kränze in der Hand, hundert haben Salböl in der Hand, hundert haben wohlriechende Pulver in der Hand, hundert haben Gewänder in der Hand, hundert haben Früchte in der Hand.
„Darauf schmücken sie ihn mit brahman-Schmuck.
„Darauf geht er, mit brahman-Schmuck geschmückt, das
brahman kennend in das brahman ein.“
 
 


SEELENWANDERUNG UND ERLÖSUNG
BAU 4.4.4,5,10
4 Wie eine Raupe, an das Ende eines Grashalms gelangt, ihr Selbst zusammenzieht (= sidi verpuppt), so zieht diese Seele (wörtlich: [Seelen-]Mann‘) ihr Selbst zusammen, nachdem sie den Körper zu Tode gebracht, ihn ins Nichtwissen hat eintreten lassen -„
Die Seele bringt den Körper zu Tode‘, läßt ihn ins Nichtwissen eintreten‘, indem sie sich von ihm trennt und dabei die Lebensfunktionen (Atem, Gesicht, Gehör, Verstand usw.) mit sich nimmt.
5 „Wie eine Teppichweberin, nachdem sie ein Stück ihres Gewebes beseitigt hat, eine neue, schönere Gestalt (d. h. Bild) webt, so webt sich diese Seele, nachdem sie den Körper zu Tode gebracht, ihn ins Nichtwissen hat eintreten lassen, eine neue Gestalt (d. h. Körper), eine Manengestalt oder eine Gandharvengestalt‘ oder eine Brahman-Gestalt oder eine Prajäpati-Gestalt oder eine Göttergestalt oder eine Menschengestalt oder eine Gestalt von sonstigen Lebewesen.“
10 „Wie wenn eine Schlangenhaut abgestorben und abgestreift auf einem Ameisenhügel läge, ebenso liegt dieser Körper nach dem Tode da.  Aber dieses knochenlose, körperlose, aus Einsicht bestehende Selbst ist das brahman, ist die Stätte [des brahman, o König.‘ So sprach Yäjnavalkya.
„Ich schenke dem Ehrwürdigen tausend [Kühe].‘ So sprach
janaka, der Fürst der Videha.

Die Upanishaden 03

AUS DEN GESPRÄCHEN DES UDDÄLAKA ÄRUNI
MIT SEINEM SOHN SVETAKETU


Das Sterben ist Rückverwandlung in das Seiende

ChU 6
1. Die Elemente des Makrokosmos und des Mikrokosmos

ChU 6.1.1-6.2.4, 6.3.4, 6.4.1-7, 6.5.1-6.7.6
Die materielle Welt, also der Makrokosmos (das Universum) und der Mikrokosmos (das lebende Wesen, insbesondere der Mensch), besteht aus drei Grundelementen (,Glut‘, Wasser‘, ,Nahrung‘), von denen das erste aus dem einzigen Urelement (dem Seienden‘) emaniert, das zweite aus dem ersten, das dritte aus dem zweiten.  Schließlich stellt sich heraus, daß auch die Lebens - Funktionen, d. h. die Fähigkeiten des Menschen zu denken (,Verstand, Intelligenz‘), zu sprechen (,Sprache‘) und zu atmen (,Atem‘), materieller Natur sind.
6.1.1 Es war einmal ein Svetaketu, Sohn des Aruni.  Zu ihm sprach sein Vater: „Svetaketu!  Studiere das heilige Wissen (den Veda‘)!  Wahrlich, mein Lieber, niemand unseres Geschlechts unterläßt es zu studieren und wird dann sozusagen ein Brahmane nur durch Herkunft‘.“
2 Da begab er sich mit zwölf Jahren zu einem Lehrer und kehrte mit vierundzwanzig Jahren, nachdem er alle Veden gelernt hatte, hochfliegenden Sinnes, sich gelehrt dünkend‘ und selbstsicher zurück.
3 Da sprach sein Vater zu ihm: „Svetaketu!  Da du denn, mein Lieber, so offensichtlich hochfliegenden Sinnes, dich gelehrt dünkend und selbstsicher bist, wirst du deinen Lehrer auch nach jener Ersetzung gefragt haben, durch die man das, was man [noch] nicht gelernt hat, lernen, was man [noch] nicht gedacht hat, denken, was man [noch] nicht erkannt hat, erkennen kann.“
 
a. Die Methode der Ersetzung‘

6.1.4 wie geht denn, Ehrwürdiger, diese Ersetzung vor sich?“
„Wie man, mein Lieber, durch einen Lehmkloß [den man in seinem Wesen erkannt hat] alles, was aus Lehm besteht,[in seinem Wesen] erkennen kann: [,Lehmkloß‘ ist] eine Bezeichnung (wörtlich:“ein Erfassen durch die Gedanken), eine Sonderform, eine Benennung (d. h. ein für praktische Zwecke künstlich geschaffener, sekundärer Begriff) - die Wahrheit ist schlechthin Lehm‘;
„wie man, mein Lieber, durch ein Kupferkügelchen [das man in seinem Wesen erkannt hat] alles, was aus Kupfer besteht, [in seinem Wesen] erkennen kann: [,Kupferkügelchen‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist schlechthin Kupfer‘;
„Wie man, mein Lieber, durch ein Nagelmesser [das man in seinem Wesen erkannt hat] alles, was aus Eisen besteht [in seinem Wesen] erkennen kann: [,Nagelmesser‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist schlechthin Eisen‘,
,so, mein Lieber, geht diese Ersetzung vor sich.‘
„Wahrlich, gewiß hat mein ehrwürdiger Lehrer dies (wie man diese Methode anwendet) nicht gewußt.  Denn wenn er dies gewußt hätte, wie hätte er es mir nicht verkündet?
„Der Ehrwürdige aber verkünde es mir!‘
,So sei es, mein Lieber‘, sprach er.
 
b. Die Lehre: a. Der Makrokosmos

6.2.1 a Dieses Universum, mein Lieber, war im Anfang ein lediglich Seiendes, ein einzelnes, alleiniges.“
1 b Dazu sagen Einzelne: Dieses Universum war im Anfang ein Nichtseiendes, ein einzelnes, alleiniges.  Dann wurde aus diesem Nichtseienden das Seiende geboren.‘
2 Woher aber, mein Lieber, könnte das so sein?  Wie sollte aus einem Nichtseienden ein Seiendes geboren werden?  Vielmehr war, mein Lieber, dieses Universum im Anfang ein lediglich Seiendes, ein einzelnes, alleiniges.‘
3 „Da nahm das Seiende wahr, : Ich könnte vielerlei sein, ich könnte mich fortzeugen.‘ Da entließ es aus sich die Glut.
„Da nahm die Glut wahr: Ich könnte vielerlei sein, ich könnte mich fortzeugen.‘ Da entließ sie aus sich das Wasser.
„Deshalb, wo immer es heiß ist, [da entsteht dadurch Regen]‘ oder schwitzt der Mensch.  Das heißt: aus Glut entsteht Wasser.
4 „Da nahm das Wasser wahr: Ich könnte vielerlei sein, ich könnte mich fortzeugen.‘ Da entließ es aus sich die Nahrung.
„Deshalb, wo immer es regnet, da entsteht dadurch reichlichste Nahrung.  Das heißt: aus Wasser entsteht Nahrung...‘ 
6.3.4 „. . . Wie aber nun, mein Lieber, von diesen drei Himmlischkeiten (d. h. den drei kosmischen Elementen Glut“ ,Wasser‘, Nahrung‘) jedes einzelne je dreifach wird, diese meine Erklärung begreife!“
6.4.1 „Was die rote Gestalt des Feuers ist, das ist die Gestalt der Glut, was die weiße (die im Rauch zum Vorschein kommt), das ist die des Wassers, was die schwarze (die ebenfalls im Rauch zum Vorschein kommt und ihre Spur in verbrannten Dingen hinterläßt), das ist die der Nahrung.
„Aufgehört hat das Feuer, Feuer‘ zu sein: [,Feuer‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist: die drei Gestalten [der Glut, des Wassers, der Nahrung]‘.
2 „Was die rote Gestalt der Sonne ist, das ist die Gestalt der Glut, was die weiße, das ist die des Wassers, was die schwarze, das ist die der Nahrung.
„Aufgehört hat die Sonne, Sonne‘ zu sein: [,Sonne‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist: die drei Gestalten [der Glut, des Wassers, der Nahrung]‘.
3 „Was die rote Gestalt des Mondes ist, das ist die Gestalt der Glut, was die weiße, das ist die des Wassers, was die schwarze, das ist die der Nahrung.
„Aufgehört hat der Mond, Mond‘ zu sein: [,Mond‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist: die drei Gestalten [der Glut, des Wassers, der Nahrung]‘.
4 „Was die rote Gestalt des Blitzes ist, das ist die Gestalt der Glut, was die weiße, das ist die des Wassers, was die schwarze, das ist die der Nahrung.
„Aufgehört hat der Blitz, Blitz‘ zu sein: [,Blitz‘ ist] eine Bezeichnung, eine Sonderform, eine Benennung - die Wahrheit ist: die drei Gestalten [der Glut, des Wassers, der Nahrung]‘.
5 „Mit Beziehung hierauf pflegten die, die es wußten Männer der Vorzeit von großem Schülerzulauf und von großer Gelehrsamkeit im heiligen Wissen -, zu sagen:
Nicht wird jetzt irgendwer irgend etwas nennen können, was wir nicht gelernt, nicht gedacht, nicht erkannt hätten.‘ „Denn in folgender Weise kannten sie [alles] von diesen [drei Gestalten] her (= indem sie es aus ihnen ableiteten):
6 Wovon man sagt: Es erscheint gleichsam als rot‘, von dem wußten sie: Es ist eine Gestalt des Feuers‘; wovon man sagt: Es erscheint gleichsam als weiß‘, von dem wußten sie: Es ist eine Gestalt des Wassers‘; wovon man sagt: Es erscheint gleichsam als schwarz‘, von dem wußten sie: Es ist eine Gestalt der Nahrung‘;
7 a wovon man sagt: Es ist gleichsam undeutlich (weder rot, noch weiß, noch schwarz)‘, von dem wußten sie: Es ist eine Zusammensetzung dieser drei kosmischen Elemente.‘ 
Der Mikrokosmos

7 b Wie aber nun, mein Lieber, von diesen drei kosmischen Elementen, wenn sie zum Menschen kommen (d. h. sich zum Menschen bilden), jedes einzelne je dreifach wird, diese meine Erklärung begreife:
6.5.,1 „Die Nahrung, wenn sie genossen ist, verteilt sich dreifach.  Dann wird, was ihr festester Bestandteil ist, zu Kot; was ihr mittlerer ist, zu Fleisch; was ihr feinster ist, zu Verstand.
2 Das Wasser, wenn es getrunken ist, verteilt sich dreifach.  Dann wird, was sein festester Bestandteil ist, zu Harn; was sein mittlerer ist, zu Blut; was sein feinster ist, zu Atem.
3 Die Glut, wenn sie (in heißer Speise) genossen ist, verteilt sich dreifach.  Dann wird, was ihr festester Bestandteil ist, zu Knochen; was ihr mittlerer ist, zu Mark; was ihr feinster ist, zu Sprache.
4 a „Denn aus Nahrung, mein Lieber, besteht der Verstand, aus Wasser der Atem, aus Glut die Sprache.‘
4 b „Der Ehrwürdige möge es mich noch besser begreifen lassen.‘
,So sei es, mein Lieber‘, sprach er.
6.6.1 Der Feinheitsgehalt der sauren Milch, mein Lieber, steigt, wenn sie gequirlt wird, nach oben und wird dann zu Butter.
2 „Ebenso nun steigt, mein Lieber, der Feinheitsgehalt der Nahrung, wenn sie genossen wird, nach oben und wird dann zu Verstand;
3 „[ebenso] steigt, mein Lieber, der Feinheitsgehalt des Wassers, wenn es getrunken wird, nach oben und wird dann zu Atem;
4 „[ebenso] steigt, mein Lieber, der Feinheitsgehalt der
Glut, wenn sie genossen wird, nach oben und wird dann zu
Sprache.
5 „Denn aus Nahrung, mein Lieber, besteht der Verstand, aus Wasser der Atem, aus Glut die Sprache.‘
„Der Ehrwürdige möge es mich noch besser begreifen lassen!‘
„So sei es, mein Lieber‘, sprach er.
6.7.1 a „Der Mensch, mein Lieber, besteht aus sechzehn Sechzehnteln.“
1 b „Fünfzehn Tage lang iß nicht!  Trink Wasser nach Wunsch! - Der Atem besteht aus Wasser (6.5.2, S. 48).  Er wird sich nicht [vom Körper] trennen, wenn man trinkt.“
2 Da aß er fünfzehn Tage lang nicht.  Dann setzte er sich zu seinen (des Vaters) Füßen: „Was soll ich sprechen, Herr?‘ „Sprich heilige Verse (aus dem Rigveda), Opferformeln (aus dem Yajurveda), Singstrophen (aus dem Sämaveda) [wie du sie auswendig gelernt hast bei deinem Lehrer].“
Da sprach er: „Wahrlich, sie leuchten mir nicht auf, Herr.‘ 
3 Da sprach er zu ihm: „Wie wenn, mein Lieber, von einem hochgeschichteten Feuer eine einzelne Kohle von der Größe eines Leuchtkäfers übrig wäre und es dann - obgleich von ihr fortgesetzt - nicht stark brennte, so, mein Lieber, dürfte von deinen sechzehn Sechzehnteln ein einziges Sechzehntel übriggeblieben sein.  Nun kannst du jetzt damit die heiligen Texte nicht meistern.  Iß!  Dann wirst du meine Erklärung begreifen.“
4 Da aß er.  Dann setzte er sich zu seinen Füßen nieder.
Da leuchtete ihm alles auf, was immer er ihn abfragte.
5 Da sprach er zu ihm: „Wie wenn man, mein Lieber, eine
einzelne, von einem hochgeschichteten Feuer übriggebliebene
Kohle von der Größe eines Leuchtkäfers, nachdem man sie mit dürrem Gras bedeckt hat, zum Entflammen brächte und es dann - obgleich durch sie nur fortgesetzt - stark brennte, 
6 so, mein Lieber, war von deinen sechzehn Sechzehnteln ein einziges Sechzehntel übriggeblieben, und dieses ist nun, nachdem es mit Nahrung bedeckt wurde, zum Entflammen gekommen.  Nun kannst du jetzt damit die heiligen Texte meistern.
„Denn aus Nahrung, mein Lieber, besteht das Denken, aus Wasser der Atem, aus Glut die Sprache.“
Da begriff er seine Erklärung.
Das Sterben ist Rückverwandlung in das Seiende‘
ChU 6.8.1,6
1 Uddälaka Aruni sprach zu seinem Sohn Svetaketu:

6 „... Wenn, mein Lieber, dieser Mensch hinscheidet, dann geht zunächst seine Sprache in das Denken ein (d. h., er wird unfähig zu sprechen, behält aber das Bewußtsein); dann sein Denken in den Atem (er verliert das Bewußtsein, aber atmet noch); dann sein Atem in die Glut (er atmet nicht mehr, ist aber noch warm); dann die Glut in das höchste kosmische Element (= das Seiende‘).“
ChU 6.15.1-2
1 „Um einen fiebrigen Menschen, mein Lieber, sitzen seine Verwandten und fragen: Kennst du mich?‘ und Kennst du mich?‘
,Solange nicht seine Sprache in das Denken, sein Denken in den Atem, sein Atem in die Glut, seine Glut in das höchste kosmische Element eingeht, so lange kennt er sie noch.
2 „Dann, wenn seine Sprache in das Denken eingeht, sein Denken in den Atem, sein Atem in die Glut, seine Glut in das höchste kosrnische Element, dann kennt er sie nicht mehr.‘
 
3. Der Gestorbene weiß nichts von seiner Riickverwandlung
in das Seiende‘

ChU 6.9.1-3,10.1-2
6.9.1 „Wie, mein Lieber, Bienen Honig herstellen: nachdem sie die Säfte [von den Blüten] verschiedenartiger Bäume gesammelt haben, lassen sie den [Blüten-]Saft zu einer Einheit werden -
2 „wie dann diese Säfte nicht unterscheiden können: Ich bin der Saft von diesem Baum‘ und ich bin der Saft von jenem Baum‘,
„ebenso, mein Lieber, wissen ja alle diese Geschöpfe, wenn sie [beim Tod] in das Seiende eingehen, nicht: Wir gehen in das Seiende ein.“
3 Als was immer sie hier (in dieser irdischen Welt) erscheinen: als Tiger oder Löwe, oder Wolf, oder Eber, oder Wurm, oder Vogel, oder Wanze, oder Moskito - sie werden zu diesem (d. h. dem Seienden‘).“
6.10.1 Diese Flüsse, mein Lieber, fließen immer weiter nach Osten, immer weiter nach Westen.  Dann gehen sie immer tiefer in den Ozean.  Sie werden schlechthin Ozean.
„Wie sie dann nicht wissen: Ich bin dieser [Fluß]‘ und
Ich bin jener [Fluß]‘,
2 ebenso, mein Lieber, wissen ja alle diese Geschöpfe, wenn sie [beim Tod] zum Seienden gelangen, nicht: Wir gelangen zum Seienden.‘
„Als was immer sie hier erscheinen: als Tiger oder Löwe, oder Wolf, oder Eber, oder Wurm, oder Vogel, oder Wanze, oder Moskito - sie werden zu diesem (dem Seienden‘).“
 
Das Selbst‘ ist die Lebenskraft
ChU 6.3.2

2 „. . . Da schaute dieses höchste kosmische Element (das ,Seiende‘): Auf, ich will in diese drei kosmischen Elemente (Glut, Wasser, Nahrung) mit meinem lebendigen Selbst eintreten und Individualität (,Name und Gestalt‘) in verschiedener Weise formen.“
ChU 6.11.1-3
1 „Wenn jemand, mein Lieber, an die Wurzel dieses großen Baumes schlagen sollte, würde lebender [Saft] fließen.  Wenn jemand an die Mitte des Stammes schlagen sollte, würde lebender [Saft] fließen.  Wenn jemand an die Spitze schlagen sollte, würde lebender [Saft] fließen.
„So steht er durstig trinkend, sich [seines Lebens] freuend da, insofern er von lebendigem Selbst (von individueller Lebenskraft) durchdrungen ist.
? „ Wenn das lebendige Selbst (,der lebende [Saft]‘) einen
Ast verläßt, dann vertrocknet dieser; wenn es einen zweiten
Ast verläßt, so vertrocknet auch dieser; wenn es einen dritten
Ast verläßt, so vertrocknet auch dieser; wenn es den ganzen
Baum verläßt, so vertrocknet der -ganze Baum.
3 „Ebenso, mein Lieber‘, so sprach er, „wisse: Es stirbt ja wahrlich dieser [Körper], wenn er vom lebendigen [Selbst] verlassen ist: nicht stirbt das lebendige [Selbst]
ChU 6.12.1-13.3
6.12.1 „Hol eine Frucht des Feigenbaums!‘ - „Hier, Ehrwürdiger!“ - „Zerteile sie!“ - „Ich habe sie zerteilt, Ehrwürdiger.‘ - „Was siehst du darin?“ - „Diese ganz winzigen Körner, Ehrwürdiger.“ „Zerteile eines von ihnen, mein Guter!“ - „ich habe es zerteilt, Ehrwürdiger.‘ - „Was siehst du darin?“ - „Gar nichts, Ehrwürdiger.‘
2 Da sprach er zu ihm: „Diese Winzigkeit, die du nicht wahrnimmst, mein Lieber - wahrlich dieser Winzigkeit entstammend steht dieser Feigenbaum so groß da.‘
3 a „Glaube, mein Lieber: Was diese Winzigkeit ist, das ist das Selbst dieses Universums.  Das ist die Wahrheit.  Das ist das [individuelle] Selbst.  Das bist du, gvetaketu.‘
3 b „Der Ehrwürdige möge es mich noch besser begreifen lassen.‘
,So sei es, mein Lieber‘, sprach er.
6.13.1 Lege dieses Salz in Wasser.  Dann setz dich morgen früh zu meinen Füßen [zur Belehrung].“ Das tat er so.  Da sprach er zu ihm: „Das Salz, das du gestern abend ins Wasser gelegt hast, mein Guter, das bring her!‘ Da fühlte er danach und fand es nicht.  Wie versteckt, so [war es].
2 „Mein Guter, schlürfe vom Rand dieses Wassers!  Wie ist es?“ - „Salzig.“ - Schlürfe von der Mitte!  Wie ist es?“ „Salzig.“ - „Schlürfe vom anderen Rand!  Wie ist es?“ ,Salzig.“ - „iß etwas darauf.  Dann setz dich wieder zu meinen Füßen!“
Das tat er so mit den Worten: „Dieses Salzige kommt
immer wieder.“
Da sprach er zu ihm: „Wahrlich, was tatsächlich in diesem Wasser ist (,das in diesem Wasser seiende‘), mein Lieber, kannst du nicht greifen: tatsächlich ist es doch darin.“
3 Was diese Winzigkeit ist, das ist das Selbst dieses Universums.  Das ist die Wahrheit.  Das ist das [individuelle] Selbst.  Das bist du, Svetaketu!‘ . . .

Die Upanishaden 02

DAS GEHEIMNIS DES SELBST (ATMAN) - DIE ERLÖSUNG
DAS GEHEIMNIS DES SELBST (ATMAN)

BÄU 1.4.20-22  20 Dazu sagt man nun: Wenn die Menschen meinen, daß sie durch das Wissen vom brahman zu allem (oder: zum All) werden können - wovon wußte dann erst das brahman, daß aus ihm das All wurde?‘ 
21 [Die Antwort:] Wahrlich, dieses Universum war im Anfang das brahman.  Da erkannte dieses [brahman sein Selbst (sich selbst): Ich bin das brahman.‘ Dadurch entstand aus ihm das All. 
Daher, wer immer von den Himmlischen - ebenso: wer immer von den heiligen Dichtern, ebenso: wer immer von den gewöhnlichen Menschen - zur Erleuchtung gelangte, der wurde zu diesem. 
22 ... Daher ist es auch heute noch so: wer weiß: Ich, bin das brahman‘, der wird zu diesem All.  Auch die Himmlischen sind nicht imstande, ihm Schaden zu bringen.  Denn er wird ja zu ihrem Selbst. 
Wer nun ein makrokosmisclies Element (z.  B. Sonne, Himmel, Erde, Feuer) als etwas anderes verehrt, indem er meint: jenes ist ein anderes [als ich]‘, und Ich bin ein anderer [als es]‘, der ist unwissend.  Wie ein Stück Vieh ist er für die Himmlischen. 
Wieviel Nutzen einem Menschen viele Stücke Vieh schaffen würden, so viel Nutzen schafft den Himmlischen jeder einzelne Mensch.  Wenn auch nur ein Stück Vieh weggenommen wird, entsteht Ärger.  Wie erst, wenn viele weggenommen werden. 
Deshalb ist es den Himmlischen nicht lieb, wenn die Menschen dieses wissen. 
BAU 2.1.23 
Wie wenn eine Spinne durch ihren Faden herausträte - wie kleine Funken aus einem Feuer heraustreten -, so treten aus diesem Selbst alle Lebenskräfte heraus, alle Welten, alle Himmlischen, alle irdischen Wesen, alle ,Selbste  (Einzelindividualitäten).  Seine mystische Verehrung lautet: Wahrheit der Wahrheit.‘ Die Wahrheit - das sind die Lebenskräfte.  Das Selbst ist die Wahrheit der Lebenskräfte. 
BAU 2.5.14 
Dieses Selbst ist der Honig (die Essenz) aller Lebewesen.  Alle Lebewesen sind der Honig dieses Selbst.  Dieser aus Licht bestehende, aus Unsterblichkeit bestehende Mann (gemeint ist: die Seele) in diesem Selbst (gemeint ist: der Körper) und dieses Selbst (gemeint ist: das geistige Substrat der Identität) - dieses letztere Selbst ist dieser aus Licht bestehende, aus Unsterblichkeit bestehende Mann.  Es ist die Unsterblichkeit, es ist das brahman, es ist alles. 
Wahrlich dieses Selbst ist der Oberherr aller Lebewesen, der König aller Lebewesen.  Wie alle Speichen in der Radnabe und im Radkranz befestigt sind, so sind alle Lebenskräfte in diesem Selbst befestigt, alle Welten, alle Himmlischen, alle irdischen Wesen, alle Selbste‘. 
Das Selbst ist die Seele

ChU 3.13.7-8 
7 Das Licht nun, das jenseits vom Himmel leuchtet, über allem, über jeglichem, in den allerhöchsten, höchsten Welten - wahrlich, das Licht, das innen im Menschen ist,. das ist dieses Licht. 
8 Dieses Licht im Menschen nimmt man wahr, wenn man im Körper durch Berührung Hitze unterscheidet; dieses Licht vernimmt man, wenn man sich die Ohren, zuhält und dann etwas wie ein Rauschen, wie ein Brausen wie von flammendem Feuer erlauscht. 
Daher verehre man dieses innere Licht als ein wahrnehmbares und vernehmbares. 
Es wird ein Gerngesehener, einer von dem man gehört hat, 
wer so weiß (es so kennt). 
BÄU 5.3 
Der Hauch geht in den Wind, als das Unsterbliche; aber das Ende dieses Körpers ist Asche! om. 
BÄU 6.1.17 
In dieses Feuer opfern die Himmlischen den Menschen als Opferspeise.  Aus diesem Opferguß entsteht ein [Seelen-] Mann von leuchtender Farbe. 
ChU 4.14.3-15.1 
4.14.3 Ich aber werde dir das verkünden (von dem 
es heißt): Wie an einem Lotosblatt das Wasser nicht haftet, 
so haftet an einem, der es so kennt, böses Handeln nicht.“ 
Der Ehrwürdige verkünde es mir!‘ 
Da verkündete er ihm: 
15.1 „Das Selbst ist jener Mann, den man im Auge sieht‘, so sprach er, „der ist das Unsterbliche, das Ungefährdete, der ist das brahman.“ 
BÄU 4.3.7,12-15 
7 „Was ist das Selbst?“ - „Dieser [Seelen-]Mann, der aus Erkenntnis besteht, das innere Licht in den Sinnesorganen, im Herzen ... Nachdem er zum Traum geworden ist, schreitet er hinaus über diese Welt, beschaut er, der nicht schläft, die schlafenden. 
,Nachdem er den Samen sich genommen hat, kehrt er wieder an seine Stätte (in den Körper) zurück - 
,Er, der goldene, seelenhafte Einzelganter.‘ 
13 Indem er durch den Atem den anderen Menschen 
(d. h. den Körper), sein Nest, schützt 
,Und außerhalb seines Nestes (des Körpers) als Unstertrblicher umherstreift, 
Geht er, der Unsterbliche, wohin sein Wunsch steht ,Er, der goldene, seelenhafte Einzelganter‘ 
14 Indem er im Traumschlaf auf und nieder steigt, ,Schafft sich der Himmlische viele Gestalten Indem er mit Frauen sich ergötzt ,Und scherzt, als auch indem er Gefahren erlebt.‘ 
15 Seinen Aufenthaltsort (den Körper) sieht man; ,Nicht hat irgendwer ihn selbst gesehen.‘ 
Deshalb sagt man: Nicht wecke man einen, der sich angestrengt hat!‘ Ein schwer heilbarer Zustand entsteht dem, zu dem dieser [im Traum abwesende Seelenvogel] nicht rechtzeitig zurückfindet. 
5 „... das himmlische Auge dieser Höchstseele ist der Verstand.  Wahrlich, indem sie mit diesem himmlischen Auge, dem Verstand, die Wunschgegenstände sieht, die in der Welt des brahman sind, ergötzt sie sich.‘ 
Die Welt des brahman‘ ist die Welt der Erlösten, in die der, der das brahman kennt, eingeht. 
6 „Die Himmlischen verehren dieses Selbst [das man suchen und zu erkennen trachten muß] als diese Höchstseele.  Deshalb sind alle Welten in ihrem Besitz und alle Wunschgegenstände. 
„Alle Welten erlangt der und alle Wunschgegenstände, der 
dieses Selbst fndet und erkennt.‘ So sprach Prajäpati. 
 
DIE ERLÖSUNG
Die Erkenntnis: Das Selbst ist das brahman, führt zur Erlösung 
ChU 3.14.1-4 
1 Das brahman ist ja dieses All. 
,Zur Ruhe gekommen (= wunsch- und leidenschaftslos) verehre man es in dem Wunsche-.  Ich will es kennenlernen.‘ „Nun besteht ja der Mensch aus geistiger Kraft.  Wie die geistige Kraft ist, zu der sich der Mensch in dieser irdischen Welt erhebt, so wird er, wenn er abgeschieden ist.  So schaffe er sich geistige Kraft, 
2 für die die Erkenntnis bestehe (die der Erkenntnis fähig sein kann): 
,Dieses Selbst in meinem Herzen besteht aus Denken, sein Körper ist der Atem, seine Gestalt ist Licht, seine Vorstellungen sind wahr, sein Wesen (,Selbst‘) ist der leere Raum ... 
3 Dieses Selbst in meinem Herzen ist kleiner als ein Reiskorn, oder ein Gerstenkorn, oder ein Senfkorn, oder ein Hirsekorn, oder der Kern eines Hirsekornes; 
,dieses Selbst in meinem Herzen ist größer als die Erde, größer als das Zwischenreich, größer als der Himmel, größer als diese Welten, 
4 ihm gehören alles Handeln und alle Wünsche, alle Gerüche und alle Geschmacksempfindungen; es hat dieses All an sich gerissen; es ist ohne Rezitation und ohne Ehrfurcht.‘ 
,Dieses Selbst ist das brahman.  Zu diesem Selbst werde ich 
werden, wenn ich von hier abgeschieden bin.‘
„Gewißlich, es besteht kein Zweifel [hinsichtlich dieser Erkenntnis].‘ So pflegte gändilya zu sagen. 
ChU 8.1.1-5 
1 In dieser Burg des brahman, nämlich dem Körper, befindet sich ein kleiner Lotos, ein Haus.  Darin ist ein kleiner leerer Raum.  Was sich in diesem befindet, danach muß man suchen, das wahrlich muß man zu erkennen trachten. 
2 Wenn man nun zu einem sagen sollte: 
„,In dieser Burg des brahman, nämlich dem Körper, befindet sich ein kleiner Lotos, ein Haus.  Darin ist ein kleiner leerer Raum‘ - was läßt sich darin als das etwas, das man suchen muß‘, das man wahrlich zu erkennen trachten muß‘, auffinden?“ 
3 Dann soll er sagen: 
„Wahrlich, dieser Raum im inneren Herzen ist so groß wie dieser Raum. 
„Beide, Himmel und Erde sind innen darin untergebracht; beide Feuer und Wind; Sonne und Mond; Blitz und Gestirne.  Was in dem Körper eines Lebewesens vorhanden und was nicht darin vorhanden ist, all das ist in diesem kleinen Raum untergebracht.‘ 
4 Wenn man nun zu einem sagen sollte: 
„Wenn in dieser brahrnan-Burg (dem Körper) dieses All untergebracht ist, alles Entstandene und alle Wünsche (d. h. alles Vorhandene und alles noch nicht Vorhandene) - wenn das Alter sie erreicht oder sie [mit dem Tod] zerfällt, was bleibt dann übrig, was den Körper überdauert?“ 
5 Dann soll er sagen: 
„Nicht altert dies (das Selbst - die Seele ) durch das Altern dieses Körpers, nicht wird es erschlagen, wenn dieser erschlagen wird.  Die wahre Burg des brahman ist [nicht der Körper, sondern] dies (was sich in im befindet).  In diesem sind die Wünsche untergebracht (d. h. alles noch nicht Vorhandene).  Dies ist das Selbst, das vom Bösen befreit ist, das alterlose, todlose, kummerlose, hungerlose, durstlose, dessen Wünsche wahr werden, dessen Vorstellungen wahr sind . . 
 
Aus einem Gespräch des Yäjnavalkya mit dem König janaka 

BÄU 4.4.24-25,27,30 
24 „Wahrlich, dieses Selbst (dieser atman) ist der Gebieter von allem, der Herrscher von allem, der Oberherr von allem: all dies, was da ist, befehligt es.  Es wird nicht mehr durch gutes Handeln und auch nicht geringer durch schlechtes.  Es ist der Oberherr der Wesen, der Herrscher der Welten, der Hüter der Welten.  Es ist der Damm, der diese Welten trennt, damit sie sich nicht vermengen.“ 
25 „Dieses Selbst trachtet man durch Rezitation des heiligen Wissens (des Veda) zu erkennen, durch Leben in Keuschheit, durch Askese, durch gläubiges Vertrauen, durch Opfern und durch Fasten. 
„Wenn man es erkannt hat, wird man ein Einsiedler.  Indem sie trachten, diese Welt zu erlangen, ziehen Wandermönche in die Heimatlosigkeit ... 
27 „Von diesem Selbst spricht man immer mit nicht‘: es ist ungreifbar, denn es wird nicht ergriffen‘; es ist unzerreißbar, denn es wird nicht zerrissen‘; es ist ohne Haftung [an irgend etwas], es ist ungebunden: es haftet nicht [an irgendwelchen Wünschen], es bebt nicht [vor irgendwelcher Gefahren].‘ 
,Von diesem (der das Selbst kennt) weicht [die Auffassung]: Ich tat Böses‘ und Ich tat Schönes‘.  Denn er überschreitet (läßt hinter sich) jeweils beides, als ein Unsterblicher.  Gutes und Nichtgutes, Getanes und Nichtgetanes (Unterlassenes) quälen ihn nicht.  Nicht verringert sich seine Welt (d. h. die Welt des brahman, die er sich durch sein Wissen errungen hat) durch irgendein Handeln.“ 
30 Wahrlich, dieses große, ungeborene Selbst, das alterlose, todlose, bedrohungslose, unsterbliche, ist das brahman.  Unbedrohtheit [durch Alter, Tod, Kummer usw.] hast du erreicht, König janaka.“ So sprach Yäjnavalkya. 
„ich schenke dem Ehrwürdigen mein Land und zugleich 
auch mich selbst als Sklaven“ [sagte König janaka]. 

Die Upanishaden 01

Die Silbe Om -DAS GEHEIMNIS DES BRAHMAN
Makrokosmische Deutung der Silbe om
ChU 1.3.1-2
Der udgitha, d. h. die heilige Silbe om, ist die Sonne.
1 a Nun in Beziehung auf die kosmischen Elemente.  Der dort glüht (d. h. die Sonne männlich im Indischen), als den soll man den udgithä verehren.
Indem er (d. h. die Sonne) aufgeht, singt er den Kreaturen den udgitha: indem er aufgeht, schlägt er Finsternis und Gefahr fort.
1 b Einer, der Gefahr und Finsternis fortschlagen kann, wird der, der so weiß.
2 a Auch ist dieser (d. h. der Mundhauch) und jener (d. h. die Sonne) ein und derselbe: dieser ist heiß, jener ist heiß; von diesem spricht man als Ton‘ (svara), von jenem spricht man als Ton‘ pratyäsvara).
2 b Wahrlich, deshalb soll man den udgitha sowohl als diesen (als Mundhauch) wie als jenen (als Sonne) verehren.
Die Kraft der Silbe om
chu 1.1.8-9
8 Wahrlich, dieses om ist die Silbe der Zustimrnung.  Denn wenn man zu irgend etwas seine Zustimmung gibt, dann sagt man - ,om.
Und Zustimmung, das ist Zusammentreffen.
Wahrlich, einer, der Wünsche eintreffen lassen kann,-wird der, der dies so wissend den udgitha als die Silbe om verehrt
9 a Durch dieses om rollt dieses dreifache Wissen ab:
9b mit om fordert er zur Rezitation auf; mit om beginnt er die Rezitation; mit om singt er den udgitha - um eben diese heilige Silbe zu ehren ob ihrer Größe, ob ihrer Kraft.
Das All ist die heilige Silbe om
ChU 2.23.3-4

3 Praläpati (der Herr der Zeugung‘, der Schöpfergott) erhitzte diese Welten.  Da, als sie erhitzt waren, floß aus ihnen hervor das dreifache Wissen.
Da erhitzte er es.  Da, als es erhitzt war, flossen aus ihm hervor jene heiligen Silben: bhüs, bhuvar, svar.
4 Da erhitzte (bebrütete) er sie.  Da, als sie erhitzt waren, floß aus ihnen hervor das om.
Wie alle Blätter [eines geschriebenen Buches] von dem Pflock [der die übereinander-,geschichteten Palmblätter zusammenhält] durchbohrt sind, so ist die gesamte Sprache durchbohrt vom om [das sie also als Einheit zusammenhält].
Dieses All ist das om.
DAS GEHEIMNIS DES BRAHMAN

ChU 3.11.3-6
3 Wahrlich, nicht geht dem die Sonne auf, nicht geht sie ihm unter, einmal wird ihm Tag, der diese Verehrung des brahman so weiß.
4 Dieses brahman kündete der Gott Brahman dem Prajäpati, Prajäpati dem Manu,  Manu seinen Nachkommen.  Dann verkündete dies brahman sein Vater dem Uddälaka Äruni, seinem ältesten Sohn.
5 Wahrlich, dieses brahman soll er deshalb als Vater seinem ältesten Sohn verkünden oder einem vorzüglichen Schüler, der in seinem Haus wohnt; nicht irgendeinem anderen, wer es auch sei.
6 Wenn er diesem auch diese von Wasser umschlungene, mit Reichtum gefüllte Erde gäbe jenes (die Verkündigung des brahman) ist mehr als dies.
BAU 3.6
Darauf befragte ihn die Gärgi Väcaknavi (Name einer gelehrten Disputantin): „Yäjnavalkya‘, sprach sie, „was man dieses All nennt, das ist in das Wasser eingewoben.‘
In was ist denn nun das Wasser eingewoben?‘
„In den Wind, Gärgi.‘
 „In was ist denn nun der Wind eingewoben?“
„In den Raum, Gärgi.“
,In was ist denn nun der Raum eingewoben?‘ 
,In die Zwischenreiche, Gärgi.
„In was sind denn nun die Zwischenreiche eingewoben?‘
In die Welten des Himmels, Gärgi.“
„In was sind denn nun die Welten des Himmels eingewoben?‘
„in die Welten der Sonne, Gärgi.“
.In was sind denn nun die Welten der Sonne eingewoben?‘
In die Welten des Mondes, Gärgi.“
,In was sind denn nun die Welten des Mondes eingewoben?‘
.In die Welten der Gestirne, Gärgi.‘
„In was sind denn nun die Welten der Gestirne eingewoben?‘ „In die Welten der Himmlischen, Gärgi.“ ,In was sind denn nun die Welten der Himmlischen eingewoben?‘
In die Welten der Gandharven, Gärgi. 
In was sind denn nun die Welten der Gandharven eingewoben?‘
„In die Welten des Prajäpati, Gärgi.“
 „In was sind denn nun die Welten des Prajäpati eingewoben?‘
„In die Welten des brahman, Gärgi.‘
„In was sind denn nun die Welten des brahman eingewoben?‘
Da sprach er: „Gärgi! überfrage nicht!  Daß dir nicht der
Kopf zerspringe!
,Wahrlich, über die kosmischen Elemente (die Gottheiten‘) hinaus darf man nicht fragen.  Du überfragst (,fragst über sie hinaus‘), Gärgi.  überfrage nicht!“
Daraufhin verstummte Gärgi Väcaknavi.
Das brahman ist die Wahrheit
Chu 8.3.4
Der Name dieses brahman ist Wahrheit‘.

BÄU 5.5
Wahrlich, die (die Wahrheit) ist das (das brahman).  Das war die, nämlich die Wahrheit‘.
Der, der dies große Wunder, das erstgeborene, (d. h. das brahman) so kennt: das brahman ist die Wahrheit‘, der ersiegt diese irdischen und himmlischen Welten.  Wird etwa der besiegt werden, der dieses große Wunder, das erstgeborene, so kennt: Das brahman ist die Wahrheit‘?  Denn das brahman ist die Wahrheit.
Aus einem Gespräch des Weisen Yäjnavalkya mit dem
König janaka
BAU 4.1.9-10
9 . .. „Der Aufenthaltsort des brahman ist das Auge; sein Ausgangsort ist der Raum.  Man soll es (das brahman) als Wahrheit‘ mystisch verehren.‘
„Was ist das Wesen der Wahrheit, Yäjnavalkya?“
„Das Auge, Großkönig‘, sprach er.  Zu einem, der wirklich mit den Auge wahrnimmt, Großkönig, sagt man: Hast du es gesehen?‘ Darauf sagt er: Ich habe es gesehen. Damit entsteht Wahrheit (= dadurch daß er es mit dem Auge gesehen hat, wird seine Behauptung zur Wahrheit).
„Wahrlich Großkönig, das höchste brahman ist das Auge.
„Nicht verläßt ihn das Auge; alle Wesen bewachen ihn;
10 er wird ein Himmlischer und geht unter Himmlische ein, wer so wissend dieses (das brahman) als Auge verehrt.“
 
Das brahman ist das Universum (Makrokosmos und Mikro-
kosmos) und, das Universum ist das brahman
ChU 3.19
,Das brahman ist die Sonne‘ lautet die Stellvertretung.

Dazu die weitere Erklärung:
Im Anfang war dieses [Universum] nicht-seiend: das Seiende war nicht-seiend.  Da kam das Seiende zur Entstehung.  Da bildete es sich zu einem Ei.  Da lag es ein Jahr lang da.  Da spaltete es sich.  Da entstanden daraus zwei halbe Eischalen, eine silberne und eine goldene.  Die silberne Eischale das ist die Erde; die goldene, das ist der Himmel; die äußere Eihaut bildete die Berge; die innere Eihaut bildete Gewölk und Nebel; die Adern bildeten die Flüsse; das Wasser der Ozean.
Aber was da geboren wurde, (das Lebendige) das ist jene Sonne.
Nachdem sie geboren .wurde, erhoben sich Rufe und Jauchzen, sämtliche Wesen und sämtliche Wünsche.  Daher erheben sich gegen ihren täglichen Aufgang, gegen ihr tägliches Wiederkommen Rufe und jauchzen, sämtliche Wesen und sämtliche Wünsche.
 Wer diese Sonne so kennend die Sonne als brahman verehrt - es besteht die Zuversicht, daß gute Rufe zu ihm kommen und sich wiederholen.
ChU 3.18.1
Man verehre das brahman in der Erkenntnis-.  Das brahman ist das Denken.‘ 
So in Beziehung auf das individuelle Selbst. 
Und nun in Beziehung auf die Himmlischkeiten: Man verehre das brahman in der Erkenntnis: Das brahman ist der Raum.‘
So findet beiderlei Stellvertretung statt, eine in Beziehung auf den Mikrokosmos und eine in Beziehung auf den Makrokosmos.
ChU 3.18.2-6
2 Dieses brahman hat vier Viertel.  Ein Viertel ist die Sprache, ein Viertel der Odem, ein Viertel das Auge, ein Viertel das Gehör.
So in Beziehung auf den Mikrokosmos (,das Selbst‘).
Ein Viertel ist das Feuer, ein Viertel der Wind, ein Viertel die Sonne, ein Viertel die Himmelsrichtungen ( der Raum).
So findet beiderlei Stellvertretung statt, eine in Beziehung auf den Mikrokosmos und eine in Beziehung auf den Makrokosmos. 
3 Ein Viertel des brahman ist die Sprache.  Es scheint und glüht durch das Feuer als sein Licht ... 
4 Ein Viertel des brahman ist der Atem.  Es scheint und glüht durch den Wind als sein Licht.
5 Ein Viertel des brahman ist das Auge.  Es scheint und glüht durch die Sonne als sein Licht.
6 Ein Viertel des brahman ist das Gehör.  Es scheint und
glüht durch die Himmelsrichtungen als sein Licht.
Es leuchtet und glüht durch Ruhm, Ehre und den Glanz des [Wissens vom] brahman, wer so (in der hier gelehrten Formulierung) das brahman kennt (,wer so weiß‘).